Büchertipps: Das Feminismus-Einsteigerpaket

Büchertipps: Das Feminismus-Einsteigerpaket

Ich werde immer wieder gefragt, welche Bücher ich Leuten empfehlen würde, die sich «ans Thema Feminismus herantasten möchten». Und weil ich es allgemein sehr begrüsse, wenn die Menschen (mehr ) lesen, habe ich meine Lieblinge für euch zusammengestellt.

Es geht in den Büchern, die ich euch ans Herz legen möchte, nicht immer «nur» um Feminismus. Es sind sowohl theoretische Schriften als auch Romane oder Biografien dabei. Damit möchte ich euch zeigen, dass das Thema nicht immer staubtrocken oder akademisch sein muss, sondern auch wirklich Spass macht und spannend ist.

Und falls ihr Bücher kennt, die mir wiederum gefallen könnten: Ich freue mich über eure Tipps in den Kommentaren.

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«Stand Up – Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene»

Die deutsche Journalistin Julia Korbik gehört schon länger zu meinen Heldinnen. Sie schreibt unter anderem für den Blog «This is Jane Wayne», war Redaktorin beim The European und schreibt für cafebabel.com. 2014 erschien ihr Buch, das einen vielfältigen Querschnitt durch die Geschichte des Feminismus zeigt, und dabei Frauen wie Simone de Beauvoir genauso Platz gibt wie Lena Dunham. Korbik und ihre Co-Autorinnen schreiben so frech von der Leber weg und gleichzeitig so erfrischend ehrlich, dass auch Leute mit Berührungsängsten beim Thema Feminismus einen leichten Einstieg finden werden. Das Buch ist ausserdem wunderschön aufgemacht und wurde dafür sogar ausgezeichnet.

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«Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution» von Laurie Penny

Ah, Laurie. Ich bin ja schon lange sehr verliebt in das britische Supergirl. Penny ist 30 Jahre alt und schreibt unter anderem für The Independent, The Guardian und die Times und wurde 2011 mit ihrem Buch «Fleischmarkt» international bekannt – eine Analyse über die die Strategien, mit denen der Kapitalismus den Frauenkörper ausnutzt. Und das mit damals 25 Jahren #nopressure. «Unsagbare Dinge», Pennys fünftes Buch, erschien 2015 und erklärt auf knapp 300 Seiten, warum sie dem Mainstream-Feminismus kritisch gegenüber steht und zeigt sorgfältig recherchiert auf, warum Frauen und Männer (!) auch heute noch sexuell unterdrückt werden. Penny bewegt sich für meinen Geschmack manchmal auf der Grenze zur Verschwörungstheorie, aber ich liebe ihre Punk-Attitüde und ganz generell finde ich ja sowieso: In your face ist immer besser als Duckmäusertum. Ich durfte die Autorin übrigens letztes Jahr interviewen und habe mit ihr darüber diskutiert, warum es beim Feminismus nicht nur um Frauen geht. Das Interview gibts hier.

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«My Life on the Road» von Gloria Steinem

Die amerikanische Aktivistin Gloria Steinem gehört zu den wichtigsten Wegbereiterinnen der Frauenbewegung der 60er-Jahre bis heute. Schon ihre Grossmutter war eine Suffragette – also eine Frauenrechtlerin Anfang des 20. Jahrhunderts – das revolutionäre Blut ist Steinem also quasi angeboren. In ihrem Leben schuf die heute 82-Jährige Meilensteine wie die Gründung des amerikanischen feministischen Magazins «Ms.», Mitgründung des Netzwerks National Women’s Political Caucus, sowie der Women’s Action Alliance, Redaktorin des Magazins New York und 1993 die Aufnahme in die National Women’s Hall of Fame. In den 60er-Jahren schlich sich Steinem ausserdem undercover in den New Yorker Playboy Club ein – und schrieb danach die bahnbrechende Reportage «A Bunny’s Tale», veröffentlicht im selben Jahr wie Sylvia Plaths «Glasglocke» und «Der Weiblichkeitswahn» von Betty Friedan. In ihrer Biografie «My Life on the Road» beschreibt Steinem das Leben, das hinter all diesen Errungenschaften steckt.

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«Weil ein Aufschrei nicht reicht» von Anne Wizorek

Anne Wizorek ist Medienberaterin und Netzaktivistin aus Deutschland und startete 2013 den Hashtag #aufschrei, unter dem tausende Frauen von ihren täglichen Erlebnissen mit sexualisierter Gewalt und Missbrauch berichteten. Die Aktion stiess in Deutschland eine landesweite Diskussion über Alltagssexismus an, #aufschrei wurde kurz darauf als erster Hashtag mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. In ihrem Buch zeichnet die 34-Jährige auf, wie es zur Netz-Aktion kam und warum wir uns dringend mit feministischen Anliegen auseinandersetzen müssen. Wizoreks Streitschrift zeichnet sich vor allem durch die zugänglichen Alltagstipps für Neu-FeministInnen aus – und dadurch, dass man beim Lesen eher das Gefühl hat, mit einer guten Freundin zu diskutieren, anstatt in einem Hörsaal zu sitzen.

Übrigens: Auch hier in der Schweiz findet momentan eine Sexismus-Debatte statt. Angestossen von einer losen Gruppierung um die Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach diskutieren unter dem Hashtag #SchweizerAufschrei seit letztem Mittwoch tausende Frauen und Männer über ihre Erlebnisse mit sexueller Belästigung – und was dagegen getan werden kann.  Ich habe hier darüber geschrieben, was genau hinter der Aktion steckt und warum sie unbedingt nötig ist.

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«Kleine Geschichte des Feminismus» von Antje Schrupp

Wer wie ich zu den Menschen gehört, die sich Fakten besser merken können, wenn sie visualisiert werden, wird dieses Büchlein lieben. Philosophinnen, Aktivistinnen und Rebellinnen werden hier einzeln vorgestellt – genauso wie die Anliegen, für die sie gekämpft haben. Besonders toll finde ich diesen Comic von Antje Schrupp, romovierte Politologin, Journalistin und freie Buchautorin, weil er nicht nur die feministischen Bewegungen in Europa porträtiert, sondern auch amerikanische.

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«How to be a woman» von Caitlin Moran

Die britische Journalistin und Autorin Caitlin Moran spricht mir in ihrem Buch aus der Seele. Fair enough, Moran hat einen anderen Background als ich: Sie wuchs als ältestes von acht Kindern in einer Sozialbau-Siedlung in Wolverhampton auf. Später haben unsere Leben aber einen ähnlichen Verlauf: Sie schrieb bereits als Teenager für verschiedene Musikmagazine, schlich sich von zuhause fort, um an Konzert zu gehen und kämpfte mit dem Hass gegen den eigenen Körper. Noch vor ihrem 20. Geburtstag veröffentlicht sie ihren ersten Roman bekommt eine Kolumne bei der Times. Heute ist die 41-Jährige Mutter von zwei Kindern. In ihrer Biografie beschreibt sie, wie verdammt schwer es eigentlich sein kann, eine Frau zu sein. Und plädiert dafür, dass auch Frauen fett, faul und vulgär sein  – und trotzdem die gleichen Rechte wie Männer einfordern dürfen. Moran erzählt in ihrem Buch nichts Neues, aber ich musste beim Lesen mehrmals laut lachen: Die Autorin hat eine so treffende Sprache, die sich immer haarscharf in an der Grenze zum Vulgären bewegt, dass ich mich gerne mal mit ihr in einem Pub unterhalten und danach betrinken möchte.

 

Titelbild: jvoves / Flickr



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