Review «Feminist Fight Club» von Jessica Bennett

Review «Feminist Fight Club» von Jessica Bennett

Als mir das Buch «Feminist Fight Club: An Office Survival Manual for a Sexist Workplace» in die Hände fiel, hat mich zuerst das Cover angesprochen. Dann natürlich die Thematik. Und gekauft habe ich es schlussendlich, weil auf dem Cover auch steht, dass das Buch für Männer 21 Prozent teurer ist – was natürlich als Witz gemeint ist. Das fand ich lustig, denn schliesslich verdienen auch in der Schweiz Frauen noch immer um die 20 Prozent weniger als Männer, und ich mag ja generell, wenn auch schwere Themen humorvoll angegangen werden.

Jessica Bennett is Journalistin aus Seattle und schreibt unter anderem für die New York Times über Gender, Sexualität und Kultur. «Feminist Fight Club» ist ihr erstes Buch und aus einer Misere heraus geboren: Bennett und ihre Freundinnen – allesamt zwischen 20 und 30 mit kreativen Jobs, neben den Brotjobs natürlich – trafen sich regelmässig in der Wohnung der Eltern, weil die eigenen Wohnungen zu klein waren für ein solches Gruppentreffen. Über Pastatellern und Seltzergläsern wurde darüber gesprochen, mit welchen Herausforderungen Frauen am Arbeitsplatz zu kämpfen haben – und wie sie selber etwas daran ändern können. Aus diesen Treffen haben sich der «Feminist Fight Club» und schlussendlich auch das Buch formiert.

Bennetts Erstlingswerk muss nicht in einem Zug von vorne bis zum Schluss durchgelesen werden. Sie selber schreibt im Vorwort, dass die Kapitel des Buchs in sich geschlossen sind und nicht in der Reihenfolge, wie sie im Buch vorkommen, gelesen werden müssen. «Feminist Fight Club» eignet sich also perfekt, um es immer mal wieder in die Hand zu nehmen und darin zu schmökern.

Ich möchte euch meine liebsten Stellen daraus vorstellen.

Die Regeln: Sprecht darüber! 

Angelehnt den den Film «Fight Club» hat auch die feministische Version davon ihre eigenen Regeln.

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Die Power-Posen: Zeigt Haltung!

Ich mag an Bennetts Buch vor allem, dass sie den Fokus auf das eigene Empowerment legt. Und Frauen nicht als dumme Opfer darstellt, die selber gar nichts ändern können. Im Kapitel «Know Thyself» gibts etwa einen Überblick über die verschiedenen Power Posen. Denn Selbstbewusstsein kommt auch von der Körperhaltung.

Dieses Thema finde ich wichtig, weil ich selber immer wieder beobachte, wie sich Frauen am Arbeitsplatz unterbuttern lassen – oftmals ohne Grund – und das dann auch körperlich ausdrücken. Ich finde, dass die Körperhaltung gerade in Stresssituationen sehr viel ausmacht und einem auch helfen kann, weniger nervös zu sein.

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Illustration: Saskia Wariner

Die Sorry-Falle: Entschuldigt euch nur, wenns nötig ist

Ich höre so, SO oft, wie sich Frauen für Dinge entschuldigen, für die sie nicht einmal etwas können – besonders am Arbeitsplatz. Manchmal ist mir nicht einmal klar, wofür sie sich entschuldigen. Hier muss ich aber mich selbst auch an der Nase nehmen. Ich merke selber oft, dass ich unnötig oft «Sorry» sage. Oder mich schon bevor ich etwas sage oder tue dafür entschuldige. Das ist nicht nur nervig, sondern stellt einen die Position des verschupften, unsicheren Frauchens. Und das haben wir alle nicht nötig.

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Illustration: Saskia Wariner

Bennett listet in ihrem Buch genau drei Fälle auf, in denen ein «Sorry» angebracht ist. Und eine, die mir besonders eingeleuchtet hat, in der es definitiv überflüssig ist:

If your audience is not a prickly individual but a full conference room or a reply-all email list, know this: You may say «Sorry to interrupt, but I think …», but what you sound like ist, «I have zero confidence in my idea – why should you?»

Know your words: Zuerst überlegen, dann sprechen

Als Journalistin arbeite ich mit Sprache. Und erlebe immer wieder, wie wichtig es ist, sorgfältig zu formulieren. Was in meinem Job wichtig ist, versuche ich auch im Alltagsgebrauch zu beachten. Oft kann ein einziges alternatives Wort die Bedeutung einer ganzen Aussage komplett ändern. Bennett widmet auch dieser Thematik ein Kapitel in ihrem Buch und erzählt, wie sie von einer Arbeitskollegin als verrückt bezeichnet wurde, von Kollegen als aggressiv, nachdem sie befördert wurde oder von Exfreunden als herrschsüchtig, wenn sie Entscheidungen im Haushalt traf. Bennett zeigt damit auf, dass Frauen noch immer gerügt werden, auch sprachlich, wenn sie sich in den Mittelpunkt stellen, Verantwortung übernehmen oder beruflich etwas erreichen. Und sie liefert mit ihrem «Dicktionary» gleich einen Guide für Alternativen. So sollte man laut Bennett höchstens seine Girl Gang auch wirklich als «Mädchen» bezeichnen, alle anderen sind Frauen. Auch sollte man sich zweimal überlegen, ob man auch einen Mann als «dramatisch» bezeichnen würde, oder ob man das Wort nur deshalb benutzt, weil man eine Frau beschreibt.

Alles in allem beschreibt Bennett in ihrem Buch nichts bahnbrechend Neues. Aber ich mag ihre Sprache sehr – sie schreibt so, dass ich mit ihr in einer schummrigen Bar gerne mal ein paar Gläser Rotwein kippen würde. Und sie regt einen vor allem dazu an, das eigene Handeln zu Überdenken und dann Massnahmen zu ergreifen. Finde ich eh immer super, weil Veränderungen nur von uns selber kommen können.

Ihr könnt dem Feminist Fight Club auf Facebook, Instagram und Twitter beitreten.



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