Non-Guilty Pleasure: Teeniefilme, die Geschlechterklischees aufbrechen

Non-Guilty Pleasure: Teeniefilme, die Geschlechterklischees aufbrechen

Das Leben als Feminist*in mit einem ausgeprägten Filmfaible ist schwer. Denn hat man einmal die Schwelle der patriarchalen Erkenntnis überschritten, gibt es kein Zurück mehr – und 90 Prozent der Filme, die man früher gefeiert hat, sind nicht mehr länger tragbar. Gäbe es einen Friedhof der verlorenen Lieblingsfilme meiner Jugend – er wäre riesig!

Die Abteilung der verlorenen Teen- und Coming-of-Age-Filme auf meinem cineastischen Friedhof wäre besonders groß. Von American Pie über Grease bis zu Plötzlich Prinzessin – sie alle kann man sich nicht mehr anschauen, ohne nonstop mit den Augen zu rollen. Aber manchmal gibt es einfach Situationen im Leben, die nach einem schnulzigen Teeniefilm verlangen. Was soll man tun?

Die Rettung naht! Denn obwohl facettenreiche Frauenrollen erst jetzt langsam auf großen Leinwänden Normalität werden, gab es schon immer Filmemacher*innen, die sich nicht mit vorgefertigten Rollenbildern und Klischees zufrieden geben wollten. Und manche von ihnen haben Teen-Movies gedreht.

Ich möchte euch heute 5 Filme vorstellen, die es einem erlauben, die volle hormonelle Wucht der Pubertät noch einmal zu durchleben, mit allen schmalzigen Hochs und Tiefs – und dass alles ohne, dass der Film am Ende nichts weiter tut als das Patriarchat neu zu bestätigen.

But I’m a Cheerleader / Weil ich ein Mädchen bin (1999)

Die 17-jährige Megan (Natasha Lyonne, heute vor allem bekannt als Nicky aus «Orange Is The New Black») ist eine Vorzeige-High-School-Schülerin: Sie ist Cheerleader, dated einen Football-Spieler, schreibt gute Noten und geht in die Kirche. Trotzdem wird sie – unter anderem weil sie Vegetarierin ist und ihren Freund nicht gerne küsst – nach einer Intervention von ihren Eltern zu «True Directions» geschickt – eine Art Homo-Rehab, bei dem sie hetero gemacht werden soll. Im Camp werden die Frauen in pinke, die Männer in blaue Klamotten gesteckt und es sollen «heterosexuelle Rollenbilder» einstudiert werden: Die Männer hacken Holz, die Frauen schrubben Böden und wickeln Babypuppen. Im Camp lernt Megan erst, ihre Homosexualität zu akzeptieren – und verliebt sich zum ersten Mal. Der Film ist eine herrlich übertriebene und trotzdem sehr zutreffende Parodie von lächerlichen Rollenklischees und eine Liebeserklärung an die Vielfalt.

Juno (2007)

Der Film, der Ellen Page berühmt und Michael Cera zum ewigen Hollywood-Weirdo gemacht hat, erzählt eine sehr untypische Geschichte des Erwachsenwerdens: Bei ihrem ersten Mal – mit ihrem besten Freund Bleeker – wird die 16-jährige Juno schwanger, entscheidet sich aber gegen eine Abtreibung, als ihr erzählt wird, dass das Baby schon Fingernägel hat. Stattdessen sucht sie sich auf eigene Faust die perfekten Adoptionseltern, herrlich spießig gespielt von Jennifer Garner und Jason Bateman – die sich dann doch nicht als ganz so perfekt herausstellen. Der Film ist eine wunderbar schrullige und lustige Geschichte übers Erwachsenwerden, über Liebe, die in nicht vorhersehbaren Bahnen verläuft – aber auch über Schwangerschaft, Abtreibung und Adoption.

Roller Girl (2011)

Und schon wieder die ewig 16-jährige Ellen Page! In «Roller Girl» schlägt sie sich allerdings mit etwas weniger schwerwiegenden Problemen herum. Die 16-jährige Bliss wird von ihrer Mutter zusammen mit ihrer kleinen Schwester ständig gegen ihren Willen zu Schönheitswettbewerben geschleppt und rebelliert mit blauen Haaren und punkigen Klamotten. Als ihr zufällig eine weibliche Roller-Derby-Truppe begegnet, ist sie unglaublich fasziniert und geht heimlich zum Training. Die Frauen des Teams werden dabei als facettenreiche Charaktere dargestellt. Die Liebesgeschichte – die natürlich nicht fehlt – hat ein überraschendes und empowerndes Ende. Und: der Film hat zur Abwechslung ein wirklich realitätsnahes und nicht übertriebenes Happy End.

Foxfire (1996)

Die volle 90er-Grunge-Dröhnung könnt ihr euch in diesem Film mit einer extrem jungen Angelina Jolie geben, in dem sie als obdachlose, androgyne Teenie-Rebellin das Leben einer Mädchenclique durcheinanderbringt. Aus dem Nichts taucht die mysteriöse Legs auf und animiert die Mädchen, ihren sexuell übergriffigen Lehrer gemeinsam zur Strecke zu bringen. Als sie alle für die Aktion suspendiert werden, quartieren sie sich gemeinsam in einem leerstehenden Haus ein und werden unzertrennlich – inklusive Gang-Tattoo. In ihrer Rebellion gegen Schule, Eltern und übergriffige Männer werden sie immer radikaler – bis alles aus den Fugen gerät. Der Film zeigt eine ernste Seite des Erwachsenwerdens und zeichnet dabei ein sehr authentisches Bild junger Mädchen auf dem Weg zu selbstbewussten Frauen, die wissen, was sie wollen und zeichnet ein Paradebeispiel weiblicher Solidarität.

All I Wanna Do / Strike! Mädchen an die Macht (1998)

Die 60er in New England: Als Odette (gespielt von einer extrem jungen Gaby Hoffmann, heute bekannt aus «Transparent» und «Girls») von ihren Eltern erwischt wird, wie sie mit ihrem Freund Sex haben möchte, schicken sie sie auf ein streng konservatives Mädcheninternat – voll mit pubertären, aber sehr cleveren jungen Mädchen. Verena (Kirsten Dunst) ist die Anführerin der «D.A.R.» (Daughters of the American Ravioli), einem geheimen Club von Mädchen, die sich gegenseitig Solidarität beim Erreichen ihrer Lebensziele geschworen haben: Eine möchte Psychologin werden, die andere ein eigenes Magazin gründen, eine möchte in der Biologie Karriere machen. Odette wird in den Club aufgenommen. Als die Mädchen erfahren, dass ihre Schule mit einem Jungeninternat zusammengelegt werden soll, fürchten sie um ihre Bildung und hecken einen Plan aus, um die Jungs wieder los zu werden. Männliche und weibliche Charaktere werden dabei divers dargestellt: Auf beiden Seiten gibt es gutherzige und schlaue sowie hinterlistige und schlechte Charaktere – Klischees werden zwar genutzt, aber im selben Zug entkräftet.  

 



Kommentar verfassen


%d Bloggern gefällt das: