Worüber sprechen wir hier eigentlich? Ein feministisches Glossar: Die Sex-Edition

Worüber sprechen wir hier eigentlich? Ein feministisches Glossar: Die Sex-Edition

Wie in jeder Bewegung ist auch beim Feminismus das Thema, wie man etwas bezeichnet, ein wichtiges. Da aber nicht alle von uns in Gender Studies promoviert haben (auch ich nicht, übrigens), habe ich eine Liste zusammengestellt mit oft verwendeten feministischen Ausdrücken und Bezeichnungen.

Ich habe selber die Erfahrung gemacht, dass die Frage, wie man sich ausdrückt und wie man etwas bezeichnet, eine sehr grosse Rolle spielt in den verschiedenen feministischen Strömungen. Als Journalistin bin ich damit natürlich d’accord: Sprache kann Schutz und Waffe gleichzeitig sein und wir sollten sie sorgfältig einsetzen. Dazu kommt, dass ich als weisse, heterosexuelle cis-Frau aus einer sehr privilegierten Situation heraus sprechen kann und nicht darüber entscheiden möchte, ob sich ein Trans*mensch durch ein fehlendes Sternchen in der Bezeichnung nun angegriffen fühlen darf oder nicht. Ich schreibe es einfach hin – just in case.

Beim Schreiben habe ich gemerkt, dass es so viele Begriffe gibt, die ich gerne erklären möchte, dass ich aus diesem Glossar eine Reihe machen werde. Diese erste Ausgabe beschäftigt sich mit Gender und Sex.
 

Misogynie

Hass gegen Frauen. Aktuelles Beispiel: Der SVP-Politiker Andreas Glarner postet auf seiner Facebook-Seite ein Foto der aktuellen Juso-Kampagne, auf dem fünf Frauen* symbolisch ihre BHs verbrennen, und schreibt darüber, ob dieses Bild nicht als «Schreckung der Bevölkerung» gilt. Darunter hagelt es hunderte Kommentare gegen die Frauen, die teilweise derart unter der Gürtellinie sind, dass die VerfasserInnen nun angezeigt werden. Woraufhin man von Herrn Glarner übrigens geblockt wird. Oh well.

Misandrie

Hass gegen Männer

Misogynoir

Hass gegen schwarze Frauen

LGBTQI

Steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Trans*gender, Trans*sexual, Queer und Intersex Life.  Also für:

  • lesbisch
  • schwul
  • bisexuell
  • Trans*gender: Die Abweichung der eigenen Geschlechterrolle zur gesellschaftlich aufgezwängten Geschlechterrolle. «Gender» ist die Bezeichnung für das gesellschaftliche Geschlecht, nicht für das sexuelle Geschlecht. 
  • Trans*sexuell: Als Trans* bezeichnen sich Menschen, die nicht in den biologischen Körper hineingeboren wurden, dem sie sich zugehörig fühlen. Eine Transfrau ist also eine Frau, die mit dem Körper eines Jungen geboren wurde, und umgekehrt. Im Gegensatz zu den ersten drei Bezeichnungen haben Transgender und Transsexuell nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun.
  • Queer: Wurde früher im englischen Sprachraum als abwertendes Schimpfwort gebraucht – ähnlich wie «schwul» im Deutschen. Steht heute einerseits für eine gesamte Bewegung als auch für die einzelnen, ihr angehörigen Personen. Dabei reicht das Spektrum von schwul über bisexuell bis zu Menschen, die sich ausserhalb der binären Geschlechternormen und ihren Sexualitäten bewegen.  
  • Intersex: Menschen, die genetisch und/oder anatomisch nicht einem biologischen Geschlecht zugeordnet werden können. 

Cisgender

Cis-Menschen sind, wie ich eingangs erwähnt habe, Menschen wie ich: Ich fühle mich als Frau meinem biologischen Geschlecht zugehörig und fühle mich im richtigen Körper geboren. Der Begriff wurde 1991 vom deutschen Sexualforscher Volkmar Sigusch eingeführt, um klarzustellen, dass es Cissexuelle geben müsse, wenn es Transsexuelle gebe. Dass also das als normal dargestellte Zusammenpassen von Körpergeschlecht (sex) und Geschlechtsidentität (gender) keine Selbstverständlichkeit sei.

Binäre Geschlechternormen

Bezeichnung für die Lehre, dass es nur zwei biologische und gesellschaftliche Geschlechter gibt: Männlich und weiblich. Wie oben beschrieben, lehnen einige Mitglieder der Queer-Bewegung diese Haltung entschieden ab.

Heteronormativität

Ein Begriff aus der Queer-Theorie, mit dem eine Gesellschaft, die auf binären Geschlechternormen aufbaut, hinterfragt wird. Eine heteronormative Gesellschaft geht davon aus, dass es nur zwei Geschlechter gibt, dass alle Menschen heterosexuell sind und dass das biologische Geschlecht (sex) mit dem gefühlten und dem gesellschaftlichen Geschlecht (gender) gleichzusetzen ist. Heteronormativ ist es beispielsweise auch, wenn in Zeitungen, Magazinen und in der Werbung ausschliesslich Symbolbilder von heterosexuellen Pärchen gezeigt wird – obwohl im Text alle Paarkonstellationen gemeint sind.

Ich erhebe keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit dieser Liste. Ergänzungen und Anregungen bitte gerne unter diesem Post in die Kommentare schreiben. 



8 thoughts on “Worüber sprechen wir hier eigentlich? Ein feministisches Glossar: Die Sex-Edition”

  • Wäre cool, wenn ihr A- und Pansexualität noch ins Glossar aufnehmen könntet. Diese beiden Orientierungen werden viel zu.oft marginalisiert.

    • Sehr guter Input, danke dir! Da ich selber kein Profi bin: Kannst du mir Pansexualität erklären? Mein Verständnis: Menschen, die Geschlechter ausserhalb der binären Normen definieren, und sich zu allen Geschlechtern hingezogen fühlen. Sowohl romantisch als auch sexuell.

  • Was meint ihr denn mit dem Sternchen hinter Geschlechtern, wie beim Wort „Frauen*“? Ich kenne es als Alternative zum Gender_Gap in der Wortmitte/vor der Wortendung mit „in(nnen)“. Aber bei Geschlechtern ist mir auch als trans Person nicht klar, was das eigentlich signalisieren soll.

    • Liebe Natanji
      Ich habe das so gelernt, dass mit „Frauen*“ alle Menschen, die sich als Frauen definieren, eingeschlossen sind. Also eben auch Trans-Frauen. Finde das jetzt aber spannend, dass du selbst davon eine andere Vorstellung hast! 🙂

      • Hallo Miriam,
        vielen Dank für deine Antwort. In der trans Community sind wir uns relativ einig, dass diese Art der Verwendung für uns nicht ein- sondern gerade ausschließend ist. Das mag erst einmal verwirrend sein, aber ist schnell erklärt: aus unserer Sicht sind trans Frauen ja einfach Frauen (ohne Sternchen) und trans Männer einfach Männer (ebenfalls ohne Sternchen). Die Adjektive trans und cis können noch weiter angeben, inwieweit sich z.B. mein Frausein von deinem unterscheidet – wenn aber beispielsweise „Frauen“ zu einer Veranstaltung eingeladen werden, so sollte dies *alle* Frauen umfassen – also sowohl trans als auch cis Frauen.

        Diese Art der Sternchen-Nutzung hat somit den entgegengesetzten, eben ausschließenden Effekt: „Frauen“ ohne Sternchen sind dann ja nur die „normalen“/cis Frauen – den trans Frauen wird damit umgekehrt implizit abgesprochen „richtige“ Frauen zu sein, sie werden nur unter „Frauen*“ summiert. Dabei bedeutet ja bereits der Begriff „Frauen“ ohne Sternchen eben: alle Menschen, die Frauen sind, egal ob trans oder cis! 🙂

        Ich kenne natürlich nicht deine persönliche Position, aber dein Text liest sich eingangs so, dass du respektvoll mit trans Menschen umgehen möchtest. Unter dieser Vorannahme möchte ich dich also darauf hinweisen, dass die Sternchen an dieser Stelle das genaue Gegenteil erreichen: uns als etwas Spezielles markieren, was bei „Frauen“ nicht einfach so mitgedacht wird. Es gilt also nicht „einfach hinschreiben, just in case“ – sondern eher „weniger ist mehr“. 😉

        Vielleicht mögt ihr in der Zukunft auf diesem Blog auf diese Art der Sternchennutzung verzichten? Mich und andere trans Personen würde das sehr freuen!

        • Hallo Natanji, vielen Dank für deine erneute Antwort! Diese Begründung kann ich sehr gut nachvollziehen. Sie ist für mich, eigentlich, die natürlichste und sinnvollste! Und ich bin froh, dass ich auch durch diesen Blog immer wieder dazulerne. Danke für deinen Input, ich denke, das kann ich in zukünftigen Beiträgen gut so machen. Vielleicht könnte ich diesbezüglich sogar eine Art „Disclaimer“ für den Blog schreiben, wenn ich Zeit dafür finde.

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